DaDa hängt jetzt was

Genau – trotz Dauergeniesel ist DaDa wieder an der Wand der Frieda 23 angekommen. Denn DaDa steht kurz davor, sich in der Frieda wieder breit und sichtbar zu machen. Am 22.9. werden wir ab 17:00 Uhr die Besucher der Illustrade wie auch der Frieda 23 verschaukeln. Mit Bildern, die mensch nicht verstehen muss, mit Texten, die mensch nicht lesen kann und mit Dingen, die nicht still stehen wollen. Mobile von der Decke für Mobilität im Denken. eine gute Idee so zwei Tage vor der Wahl – wo alle gerade mit möglichst schlichten Wahrheiten die Köpfe ihrer Stimmengeber besetzen wollen. Machen wir nicht, wir wollen denkende, statt situierte Betrachter. Jetzt also erstmal vom Frieda 23 Hof aus, aber dabei wird es nicht bleiben. Zum Glück. DaDa sei Dank.

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DaDa war noch was – Dada ist 101

Dada in Rostock ist im zweiten Jahr seines Seins und wird nun zum Kurator. Dada ist 100 war der Schlachtruf 2016, jetzt im zweiten Jahr ist es 101. Na und, wir bauen wieder das Foyer der Frieda um – kein Merzbau, sondern ein Kunstmobile. Der Begriff stammt vom –Urdadaisten Marcel Duchamp und wir weiten ihn aus: Nicht nur die Kunst soll in Bewegung sein – auch der Betrachter. Der sein Auge über all die Drucke schweifen lassen kann, die engagierte Letterpresser – der Volksmund sagt Buchdrucker – zum 100sten Geburtstag von DaDa geschaffen haben und damit eine Wanderausstellung schufen, die das alte Handwerk der DaDaisten, welches immer noch betrieben wird,  mit den neuen Inhalten der Letterpresser zusammenbringt. Aber nicht nur – es wird experimentiert, proklamiert und manipuliert – nicht der Betrachter, sondern das Handwerk – die ehrwürdige Buchdruckkunst. Aber in dieser Ausstellung wird sie dem zweiten Teil ihres Namens gerecht – sie wird Kunst.

Ab 22.9.2017 in der Frieda 23 im Foyer und auf den Fluren des Erdgeschosses. Kommt und seht und schwebt.

Neo Dada, genannt Fluxus

»Das Klavier ist ein Tabu. Es muss zerstört werden«, forderte Nam June Paik Anfang der 1960er Jahre. Und tatsächlich ist die gewaltsame Behandlung des Instruments, das wie kein anderes für die Tradition bürgerlicher Musikkultur steht, besonders tief im kollektiven Gedächtnis verhaftet; daran denkt der feinsinnige Musikliebhaber zuerst und mit großer Sorge, wenn der Begriff »Fluxus« fällt. Aber keine Sorge – wir beginnen mit dem Begriff des „Neo-Dada“, der erst wenig später  „Fluxus“ wurde. Was für das Radio eine Herausforderung ist, denn Fluxus war ganz viel Installation und Happening. Obwohl der entstehende Sound nicht unwesentlich für das  Resultat der verschiedenen Fluxus-Aktivitäten war, so integriert Fluxus jedoch Video, Musik, Licht, Geräusche, Bewegung, Handlungen und diverse Materialien. Das soll uns aber nicht abschrecken, wir lieben den Stockhausen und Cage Schüler Nam June Paik schon wegen seines auf dem Happening 18965 in Wuppertal geäußerten Satz: „Das Fernsehen hat uns ein Leben lang attackiert, jetzt schlagen wir zurück“. Denn viele der Fluxus Künstler kamen aus der Musik: Charlotte Moorman und Yoko Ono sind nur zwei Namen, die eigentlich zur Musik gehören und doch bedeutende Fluxus-Künstler waren. Und wenn schon 1965 das Fernsehen für mediale Verdummung stand, ist es 2017 , das Jahr in dem Fluxus 65 wird, um so notwendiger, intelligentes Radio zu machen. Also am Montag, den 20.3.  18:00 Uhr Lohro hören – es gibt wieder eine Menge schräger Töne, die das Hören nicht leicht, das Denken dafür um so notwendiger macht.

Geniale Dilletanten

Ja, Dada ist jetzt 101, wir machen am 20.2. 2017 18:00 Uhr auf LOHRO die Geburtstagssendung. Ohne Legastheniker zu sein, sondern aus Traditionsbewußtsein. Also wer schmunzelnd oder naserümpfend die „Dilletanten“ als unmögliche Verwandschaft abwertet, kennt die Musik der 80er Jahre nicht. Jedenfals nicht die der Randbereiche. Die enttäuscht vom verlorenen Schwung der 68er und genervt von den endlosen Gitarrensolos der Rockmusik, in den 80er wieder den Dada entdeckten: sie setzte das Kantige gegen das Erschlaffte, das Urbane gegen das Ländliche, das Intensive des gelebten Moments gegen die Mühsal langwieriger Märsche durch Institutionen. Sie machten Musik um ihrer selbst willen aus, also aus Interesse, Vergnügen oder Leidenschaft. Sie nannten sich Palais Schaumburg, Die tödliche Doris oder Freiwillige Selbstkontrolle, waren oftmals vorher bildende Künstler, bevor sie dadaistische Texte auf wilde Musik und Lärmergüsse setzten. Genau diese holen wir noch einmal in den öffentlichen Äther, wissend, das dieser Frust über erstarrte Verhältnisse auch ins 101. Jahr von Dada passt. Und wir bewundern den Aufwand, der damals für Effekte betrieben wird, die inzwischen jeder Fünftklässler per Mausklick erzeugt. Deshalb ist auch Nora Grominger in der Sendung zu hören – bezeichnenderweise mit dem Jandl-Text „Perfektion“. Wer zuhört, kriegt das am Ende alles auch auf die Reihe – aber das ist kein Versprechen.

Ai, Arno, Dada, Martin, Wladimir

Die erste Sendung im 101. Jahr von Dada geht all den Jubiläen nach, die dieses Jahr noch anfallen: 500 Jahre Reformation, 100 Jahre Revolution und die vergangenen Tage eine einzige Reklamation. All die Neuzugänge sind nicht zu gebrauchen: AfD, Trump, Assads Siege und Putins Heldenrolle – leider will die auch keiner zurückhaben. Wenigstens keine Mogelpackung drunter, jeder benimmt sich so, wie er aussieht. Wahrscheinlich gilt dieser Satz auch nach der Bundestagswahl. Wir werden also DaDa-Sendungen weitermachen, die eigentlich gegen alles billig gemachte sind. Und fangen bei den Worten an: Das japanische Ai, die russische intuitive Lautpoesie und die Wortschwere eines Arno Schmidt. Die schon im Klang eigentlich wieder DaDa wird, auch wenn olle Arno das niemals war. Nichtdestotrotz nehmen wir eine moderne Vertonung seiner Texte gerne in unsere Sendung auf – diese ist in ihrer Wortferne und Bruchstückhaftigkeit eine Gratwanderung zwischen Verblüffung und Verstehen – oder auch  Nichtverstehen. Mögen all seine ernsthaften Leser nachdenken – wir inszenieren hier eher das Nachfragen und Nachhören. Gepaart mit dem Schelmischen, die in jedem Ernst noch ein Spaß sehen. Eben DaDa.

DAda in der Warteschleife

Haben wir noch im Dezember darüber geklagt, dass das antikapitalistische Erbe von DaDa in unseren Sendungen und Aktionen zu kurz kommt, so hat die Lektüre der aktuellen „Zeit“ uns einen probaten Ausweg gezeigt:  Das Feuilleton ist zu der  entscheidenden Entdeckung gekommen, dass allein das Warten schon Widerstand gegen die bestehende Gesellschaftsordnung ist. Sozusagen die Erfindung des revolutionären Wartens. Indem wir nicht mehr Effizienz hochhalten, indem wir einfach darauf verzichten zu arbeiten, zu konsumieren oder wenigstens auf dieses zuwarten (die Schlange vor der Eröffnung eines Schnäppchenmarktes ist also kein revolutionäres Warten). Es geht um das Warten, was nur den Sinn hat, das die Zeit vergeht. Und genau das verlangen wir jetzt von unseren Hörern – die alle am 17.1 die erste DaDa-Sendung des Jahres 2017 hören wollten: sie müssen eine Woche warten. Wir brauchen mehr Zeit zur Vorbereitung und wir wollen der Auftakt der Arno Schmidt-Woche in Rostock sein – denn wir werden Arno Schmidt modern vertont spielen, bevor am Mittwoch Arno Schmidt in Bildern im Literaturhaus gelesen wird. Aber dazu später – jetzt erstmal sinnfreies Warten.

DaDa war 100 – ein Neuanfang

Ja, das Jahr neigt sich dem Ende zu und wir fangen wieder an. Mit neuen Plänen, neuen Akteuren und neuen Themen. Aber da zum Jahresende der Rückblick gehört, sind wir wieder bei den Vätern des DaDa – Hugo Ball, Kurt Schwitters, George Grosz und Hans Arp. Aber die Akteure sind neu, wir haben Dada aktuell aus der Generalprobe von zwei Studentinnen der HMT – Lia und Lena. Beide aus dem Mutterland des DaDa – die Schweiz und gerade vor zwei Tagen gab es die dazugehörige Uraufführung im Kempinski von Scheinheiligendamm. Die nicht die letzte sein soll – auch wir im Mutterhaus des Rostocker DaDa – die Frieda 23 – werden uns dieses Programm nicht entgehen lassen. (Der erste gute Vorsatz für 2017, weitere verheimliche ich lieber)Das ist Musik und Dada-Texte – und da gibt es noch einiges mehr. Leider vergessen und dennoch gut: Erwin Schulhoff, der Komponist, der 20 Jahre vor John Cages legendärem 4:33 die Stille als Musikform entwickelte – analog dem Nichts des Dada. Aber alles soll noch nicht verraten werden – nehmt Eure Ohren und lauscht am Montag 18:00 Uhr LOHRO, wenn es wieder heißt: DaDa sorgt für Ruhe und Orden.