DaDaBalkon

DaDa ist zum Hören da. Jedenfalls hat es so angefangen, 1916 im Cabaret Voltaire – hauptsächlich mit Rezitationen. Poetry Slam des beginnenden 20. Jahrhunderts. Und während inzwischen allerorten die modernen Slammer zu hören sind, machen wir hier in Rostock auf Retro. Passend zum Balkon auf dem neuen Markt, der wohl mindestens DaDaalter hat, rezitieren wir die Altvorderen des DaDas. Die Oberdadas sozusagen. Mit oder ohne Musik, wir werden hören. Beziehungsweise – ihr werdet hören – wir reden. Zu euch oder mit Euch – wer Lust hat, dem steht der Balkon offen. Besser gesagt die Balkontür, denn der Balkon ist ja TÜV-gerecht mit Balustrade versehen, also nicht offen. Deshalb nochmal zum mitschreiben: Mittwoch, der 20.4. 2016, um 18.30 Uhr auf dem neuen Markt. Und das habt zum Zeichen  – ihr werdet das obige Bild an der Balustrade gebunden finden. Mit dem Namen, der hier noch einmal genannt werden soll: DaDaBalkon.

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Merz in Weiß und andere Dada – Weisheiten

Jetzt wird DaDa praktisch. Während in Stralsund bei Mückenschwein Kinder – und Jugendliche DaDa als lebendige Collagen erstellen, ist in Rostock eher die Erwachsenen-Generation am agieren. DaDa-Foyer, DaDa-Balkon, DaDa-Videocube – zunehmend materialisiert sich DADA in Bildern, Tönen und Bauten. Aber nur im Internet DaDa gucken, ist nicht mehr. Das  zu Hause bleiben sollte  sich aufs Radio hören beschränken – wer die DaDa- Ergebnisse sehen oder hören will, wer mitmachen oder miterleben will, der muss losgehen. Wo, wie oder wann was ist, erfahrt ihr in der Sendung oder auf diesen Seiten. Und das Bild über diesem Artikel ist eben nicht der Merzbau in der Frieda, sondern nur ein Computerspielbild. Ein Spiel, was sich wie wir auch von Kurt Schwitters inspirieren lassen hat,  wie auch Adachi Tomomi, den wir ja schon hörten und Masami Akita – genannt Merzbow. Den wir hören werden.

Merz in der Frieda

Nein, kein Legastheniker hat hier die Überschrift erarbeitet und auch wird es kein Anfang für ein Frühlingsgedicht. Aber hier wächst dennoch etwas heran, was ja passend zur Jahreszeit ist. Draußen sind es die Knospen und in der Frieda 23 erwacht das Foyer aus seinem Winterschlafdasein. Nicht nur, weil die letzte Weihnachtsdeko endlich seinen Weg in den Papiercontainer gefunden hatte. Sondern weil hier Anna, Christoph, Claus, Heiko und Harry mit diversen Materialien Schwitters Konzept des Merzbaus aufgegriffen und angepasst haben. Das Foyer wird zum Erlebnisraum – visuell, akustisch, medial. Erstmal sehen wir nur einen Anfang, aber wir können auch nicht 100 Jahre DaDa an einem Tag aufholen. Und bis zum DaDa-Höhepunkt am 29.5. in der Frieda 23 haben wir durchaus noch etwas Zeit – bis dahin muss ja auch noch der diesjährige FiSH die Warnow runter fließen. Der erstmals im DaDa-Foyer seinen Anlaufpunkt hat. Gespannt kann Mensch sein, inwiefern die Form den Inhalt bestimmt – jedenfalls hat die neue Form des Foyers durchaus Potential, Inhalte zu kreieren.

DaDa bewegt

Nicht nur uns, sondern auch als Bewegtbild. Dada-Filme gab es immer, Dada-Trailer bislang eigentlich nicht. Nun ist er da, der erste Werbetrailer im Kino für eine Bewegung, die der Werbung eher kritisch-spöttisch gegenüber stand. Aber wir sind im 21. Jahrhundert und wir sind in Rostock – und während in Weimar dada als Amtssprache eingeführt wird (Salve-TV macht’s sichtbar- DaDaRoyal) und in Stralsund der Mückenschweinverlag schon die zweite Dada-Zeitung kreiert hat, haben wir in Rostock den ersten Dada-Kino-Trailer. Andreas Ehrig (Rostocker Schule) ist der Autor, Stimmen und Gesicht sind erstmal nicht Teil des Abspanns. Wir nehmen es dankbar als Meilenstein unserer Bewegung. Vorschauen kann mensch das Filmchen auf facebook – hier kriege ich gerade nichts bewegt.

Dada in der DaDaEr

Ja, kein anderer Staat war so prädestiniert für DaDa wie unsere verlorengegangene 40-jährige Republik. Denn nur hier war der Sinn so unsinnig, dass jeglicher Unsinn sinniger war. Nur hier wohnte die Wahrheit völlig verklausuliert hinter Worthülsen und Sprachmüll. Nur hier war die Beliebigkeit noch so beschränkt, dass mensch bereit war, hinter jedem Wort den verborgenen Inhalt zu suchen. Deshalb können wir, belastet mit unseren Vorwendeerfahrungen, DaDa und die DaDaEr nicht aussparen. Und fangen nicht mal bei Weh und Meh an – die kommen später, nein wir fangen bei Bert Papenfuß Gorek, Jan Faktor, Stefan Döring und Rainer Schedlinski an – ersterer ist demnächst in Rostock, letzter ist raus, da er sich unsäglich mit der Stasi verwoben hatte. Berlin hatte da seine eigene Dynamik, was die Literatur betrifft – Weimar war da eher mit der Musik auf dem Weg zu DaDa. Und wir Provinzler? Wir bestaunten fasziniert die Buchcover oben genannter Autoren – statt klarer Bild- und Formensprache ein Chaos aus Schrift und Zeichen. Und nicht eines zeigte den legendären Handschlag…

QR-Dada-Code

Wer hätte das gedacht – jetzt kann mensch Hugo Ball mit dem smartphone lesen. Wenn es eine Trennung von Inhalt und Form gibt, dann diese: die Form ist für den Menschen unlesbar, der Inhalt genauso unbegreifbar. Also doch Dada der Maschinen und es ist durchaus möglich, das eine mit dem anderen in Einklang zu bringen. Die letzte Dada-Sendung hat ja schon mal ein Konzert für Röhrenradio und Flügelhorn wiedergegeben und legendär ist das Hausgerätekonzert, welches auf Radio Lotte vor 12 Jahren gelaufen ist: Ein Mitmachkonzert, wo der Anrufer beim Radio den Sound seines Küchengerätes, seiner Heimwerkermaschine oder den aktuellen Lärm vor dem Haus durchs Telefon mit einbringen konnte. Interaktives Radio als Dada-Konzert. Haben wir hier noch nicht, wir werden jetzt eure Smartphones mit Texten füllen. Scandada und verliert euch nicht in der Endlosschleife…

DaDa vs it-machine

Wir haben es gewusst und deshalb noch schnell damit angefangen. Während die denkende Welt erst beim Schach und nun beim GO entgeistert erleben muss, dass Intelligenz aComputer besser können, obwohl die Computer  diese Intelligenz erst von ihnen gelernt haben, wissen wir nur eins – besser Dada als wir kann kein Computer. Der kann Unsinn, aber nicht als bewusste Alternative zum Sinn – nur als Zufall. Das machen wir beim Dada nicht, es geht nicht um Zufall, sondern um Unlogik. Weil wir der Logik, wie sie jetzt die Systeme beherrscht, die Bereitschaft zur Unlogik gegenüberstellen. Weil das System sich eine sich selbst bestätigende Logik ausgedacht hat, die wir nicht mehr mitgehen. Wenn die Henne das Ei gebiert und das Ei die Henne, das ist der einzige Ausweg: notschlachten.  Also bilden wir Sätze bilden, deren Ergebnis nicht vorhersehbar ist. Und überlegen Dinge, deren Sinnhaftigkeit nicht erkennbar ist, aber unsere Sinnverständnis verunsichern. Also machen wir Dada und lassen den Computern das Denken – die haben eindeutig den besseren Arbeitsspeicher.